Das Ankurbeln der Traction...

In den August-Tipps möchte ich mich mit einem Thema befassen, das in der Betriebsanleitung eines Traction keine Erwähnung findet:

Das Ankurbeln eines Tractionmotors

 

 

Die Handkurbel für den Tractionmotor ist in erster Linie ein hervorragendes Hilfswerkzeug zum Einstellen der Ventile und der Zündung. Damit kann der Motor bei herausgenommenen Zündkerzen millimetergenau gedreht werden, um zum Beispiel genaue Ventilüberschneidungen zu erreichen, die erforderlich sind, damit die Ventile eingestellt werden können.



Dagegen ist die weit verbreitete Meinung „ach, wenn der Motor nicht anspringt kann ich ja ankurbeln“ nur bedingt richtig. Natürlich lässt sich der Motor mit der Kurbel auch anwerfen, allerdings nur wenn er kalt ist. Und nur ein Motor mit richtig eingestellter Zündung und funktionierender Benzinversorgung lässt sich ankurbeln.

Als wir Ende der 70er Jahre unseren ersten Traction als Alltagsauto unter der „Laternengarage“ stehen hatten und Sommer wie Winter damit fuhren, haben wir ihn in der dunklen Jahreszeit jeden Morgen mit der Kurbel angeworfen, um Batteriestrom zu sparen. Das war ein übliches Verfahren, damit man nicht nach 3-4 Tagen mit leerer Batterie dastand. Daher gab es auch als Zubehörteil ein Stützrohr am Getriebe, um die Prozedur zu einem schnellen Handgriff zu machen (siehe unten: wichtiger Hinweis).


Das Ankurbeln will ein wenig geübt sein und bedarf einiger Grundvoraussetzungen:


  • > Die Batterie muss genug Restspannung haben, um die Zündung mit Strom zu versorgen
  • > Mit dem Handhebel der Benzinpumpe muss solange Benzin gepumpt werden, bis man keinen   Widerstand mehr spürt und somit der Vergaser „voll“ ist
  • > Der Zündversteller am Armaturenbrett wird auf Spätzündung gestellt (gegen die Pfeilrichtung). Das sorgt dafür dass der Motor leichter anspringt und obendrein wird die Gefahr verringert, dass der Motor zurückschlägt


Bei elektronischer Zündanlage muss der Zündversteller nicht verstellt werden!


Nun wird der Motor mit der Kurbel 2-3-mal langsam durchgedreht, damit in den Zylindern ein zündfähiges Gemisch angesaugt wird. Dabei spürt man die sogenannten „Hartpunkte“. Es handelt sich dabei um die Stelle, an der die einzelnen Zylinder am Kompressionsende sind. Nun wird die Kurbel so vor ein Kompressionsende gestellt, dass sie möglichst auf 1 Uhr steht. Jetzt wird der Starterzug gezogen und die Zündung eingeschaltet. Dann mit einem kräftigen Ruck die Kurbel nach unten durchreißen … und der Motor läuft.


ACHTUNG!!WICHTIG!!






Den Kurbelgriff so umfassen, dass der Daumen mit den Fingern in die gleiche Richtung zeigt (siehe Foto). Wenn der Motor anspringt, wird die Kurbel an der Anwurfklaue ausgeworfen. Sollte er jedoch zurückschlagen, meist mit großer Kraft ca. eine halbe Umdrehung, verhindert diese Griffposition Verletzungen am Daumen, denn in diesem Fall bleibt die Klaue im Eingriff. Das kann bei falschem Anfassen des Kurbelgriffes für den Daumen sehr schmerzhaft sein!


Noch ein wichtiger Hinweis: Beim 11 CV muss die Kurbel zuerst mit dem Stützfuß quer zum Kühlergrill in die Kurbelstützenaufnahme hinter der Stoßstange eingehängt werden und dann um 90° gedreht auf die „Getriebenase“ geführt werden. Das ist wichtig damit sie einen stabilen Befestigungspunkt hat. Beim 15/6 wird die Kurbel in einem langen Stützrohr geführt und damit stabil gelagert. Solche Stützrohre gab es damals für den 11CV als Zubehör, dann war ein Einhängen der Kurbel an der Stoßstange nicht nötig. Als weiteres Zubehör gab es Kurbeln mit Ratschengriff, damit konnte man den Kurbelgriff bei Kompressionsende einfach auf die „1 Uhr–Stellung“ bringen.


In unserem Ersatzteilsortiment haben wir sowohl Kurbeln als auch verschiedene „Zubehör“-Ankurbelsysteme.


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